Was ist Tierverhaltenstherapie?

Die Tierverhaltenstherapie ist ein spezielles Fachgebiet in der Tiermedizin. Sie basiert auf verschiedenen wissenschaftlichen Grundlagenfächern wie der Ethologie, Neurologie oder auch der Lernbiologie. Oftmals beeinflussen Verhaltensprobleme nicht nur das betroffenen Tier, sondern auch dessen Besitzer oder gar dessen Umfeld. Die tierärztliche Verhaltenstherapie kann in diesen Fällen dem Tierbesitzer mit Rat und Tat zur Seite stehen.

Welche Verhaltensprobleme werden behandelt?

Grundsätzlich kann jede Tierart ein Verhaltensproblem entwickeln. Häufig handelt es sich dabei um zwar arttypisches, den Besitzer jedoch störendes Verhalten. Manche unerwünschte Verhaltensweise wird von uns Menschen zudem unbewusst verstärkt. Durch nicht artgerechte Haltung entstehen Probleme, die sich zu einem echten Verhaltensproblem entwickeln können. Einigen Verhaltensstörungen liegen auch organische Ursachen zugrunde.

Fragen Sie um Rat, wenn

  • zwischen Ihrem Tier und bekannten oder fremden Menschen Probleme auftreten (z.B. Ihr Hund knurrt den Besuch an),
  • zwischen Ihrem Tier und anderen bekannten oder fremden Tieren seiner Art Probleme auftreten (z.B. zwei Kaninchen eines Haushalts verhalten sich aggressiv gegeneinander)
  • Probleme mit der Sauberkeit auftreten (z.B. Ihr Hund markiert oder Ihre Katze verweigert die Katzentoilette),
  • Ihr Tier in einer bestimmten Situation eine in Ihren Augen unangemessene ängstliche oder aggressive Reaktion zeigt (z.B. Ihr Hund hat Angst vor Gewitter oder Ihr Pferd steigt nicht in den Hänger),
  • Ihr Tier ein häufig wiederkehrendes Verhalten zeigt (z.B. Ihr Hund jagt seinen eigenen Schwanz)
  • Ihr Tier gegenüber sich selbst oder seiner Umgebung zerstörerisches Verhalten zeigt (Ihr Papagei rupft sich die Federn aus).

Wie sieht eine Verhaltensberatung aus?

Im Erstgespräch bei Ihnen zuhause werden wir ausführlich das Problemverhalten Ihres Tieres beleuchten. Zudem werden Informationen zu Gesundheitszustand Ihres Hausgenossen sowie seiner Geschichte erfragt. Gegebenenfalls werden weitere tierärztliche Untersuchungen (wie zum Beispiel eine Blutuntersuchung) veranlasst. Gemeinsam mit Ihnen wird ein individueller Therapie- und Trainingsplan erstellt, den Sie auf Wunsch auch schriftlich erhalten. Gegebenenfalls werden Trainingseinheiten vereinbart, um gemeinsam gezielt am Problemverhalten arbeiten zu können. In „Follow-up“-Gesprächen (persönlich oder telefonisch) wird in bestimmten Zeitabständen der Therapieerfolg erfragt und das Training gegebenenfalls angepasst.

Mit welchen Behandlungsmethoden wird gearbeitet?

Neben der Aufklärung über das Normalverhalten von Tieren und der Einführung in die Theorie des Lernens ist die Arbeit mit verhaltenstherapeutischen Techniken der wichtigste Pfeiler der Verhaltensmedizin. Häufig eingesetzt werden beispielsweise die Desensibilisierung gegenüber auslösenden Reizen oder der Aufbau eines Alternativverhaltens.
Manchmal ist es sinnvoll, die Behandlung durch Nahrungsergänzungsmittel, homöopathische Mittel, pflanzliche Mittel oder Medikamente zu unterstützen. Zum Einsatz kommen auch die sogenannten Pheromone. Die für Menschen nicht wahrnehmbaren Duftstoffe spielen bei der Kommunikation von Tieren eine große Rolle und werden vor allem bei Angstpatienten eingesetzt.

Welche Hilfsmittel werden eingesetzt?

Im Rahmen einer Therapie kommt häufig der Clicker zum Einsatz.  Mit Hilfe dieses sekundären Verstärkers wird die Kommunikation zwischen Mensch und Tier vereinfacht, der Mensch wird für das Tier besser „lesbar“. Zur besseren Kopfkontrolle und Kräfteverteilung kann Hunden ein Kopfhalfter auftrainiert werden. Auch ein geeigneter Maulkorb – wenn in kleinen Schritten auftrainiert -  ist in manchen Fällen vorübergehend hilfreich. Der Einsatz von Körperbandagen kann die Arbeit mit ängstlichen Tieren erleichtern.

Warum ist es hilfreich, eine/-n entsprechend ausgebildete/-n Tierarzt/Tierärztin zu Rate zu ziehen?

Um eine verhaltenstherapeutische Diagnose stellen zu können, braucht es – wie in anderen tiermedizinischen Spezialgebieten – eine Reihe von Kenntnissen über die Ursachen von Verhaltensproblemen. Oft müssen dabei organische Ursachen abgeklärt werden, wobei die Kenntnis tiermedizinisch relevanter Vorgänge von entscheidender Bedeutung ist.
Erfolgt dann die Behandlung eines Verhaltensproblems, ist es wichtig, dass der Therapeut mit lernbiologischen Vorgängen vertraut ist. Ist der Einsatz von pflanzlichen Stoffen oder Medikamenten erforderlich, sind Kenntnisse der Pharmakologie unabdingbar.